Was ist Schmerz?

Eine kurze Definition: Schmerz ist die Art, wie dein Körper dir sagt, dass er etwas für gefährlich hält.

Eine längere Definition: „Schmerz ist das Produkt diverser Systeme, das durch ein einzelnes neuronales Schmerz-Aktivitätsmuster (sog. Neurosignatur) entsteht. Dieses komplexe neuronale Aktivitätsmuster wird immer dann konstruiert, wenn das Gehirn feststellt, dass Körpergewebe in Gefahr ist und Maßnahmen ergriffen werden sollen. Dem Schmerz wird ein anatomischer Bezugspunkt im virtuellen Körper zugewiesen.“ (Lorimer Moseley, 2003)

Somit ist Schmerz ein Ergebnis von Verarbeitungsprozessen im Nervensystem, welche bei jedem Menschen individuell verschieden ablaufen.

Auch wenn der häufig verwendete Begriff „Schmerzgedächtnis“ das Gegenteil suggeriert, existiert kein anatomisches Schmerzzentrum im Gehirn. Schmerz umfasst mehrere Elemente wie z.B. das Nerven-, Immun- und Hormonsystem, welche in Wechselwirkung stehen. Durch diese Wechselwirkung entstehen individuelle Muster in Form von Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Emotionen. Diese Muster entscheiden über die individuelle Schmerzerfahrung.

Ein solches Muster („Neurosignatur“) kann man sich als ein Netzwerk von Gehirnzellen der oben genannten Systeme vorstellen, die an einer Schmerzempfindung beteiligt und über das gesamte Gehirn verteilt sind. Wird eines dieser Systeme gereizt, kann das Netzwerk aktiviert und ein Schmerzerlebnis aktiviert werden. (Steve Haines, 2024)

Schmerz entsteht in jenem Moment, in dem das Gehirn uns vor Gefahren warnen möchte – Schmerz ist also ein Warnsignal.

Manuelle Schmerztherapiekonzepte 

Roland Liebscher-Bracht hat im Zusammenhang mit muskulär-faszialen Verkürzungen den Begriff „Alarmschmerz“ als ein mögliches Synonym für dieses Warnsignal vorgeschlagen: Wenn aus Sicht des Gehirns aufgrund von übermäßig starken Zugkräften (Sensorik erfolgt vor allem über die interstitiellen Rezeptoren), die meist aus muskulär-faszialen Verkürzungen resultieren, strukturelle Schäden am Bewegungsapparat zu befürchten sind, sendet dieses einen sog. „Alarmschmerz“ zur Vermeidung bestimmter potenziell schädlicher Bewegungen aus.

Das Konzept der Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht setzt mittels einer sogenannten Osteopressur, Engpass-dehnungen und Faszienrollmassagen an diesem Alarmschmerz an, mit dem Ziel, den muskulär-faszialen Spannungszustand regulativ zu reduzieren. Hier gibt es mehr Details.

Je nach Erfordernis können die manuellen Schmerz-therapiekonzepte Osteopathie, Chiropraktik oder die Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht zur Anwendung kommen.

Multimodale Schmerztherapie

Als Ergänzung zur manuellen Schmerztherapie haben sich vor allem die Themengebiete Darm, Ernährung, Bewegung, Stressmanagement sowie Orthomolekulare Medizin bewährt.